Camping bedeutet Freiheit Im Vertrauten finden

Seit eineinhalb Jahren bin ich mit Camper (Wohnmobile aller Größen und Arten) unterwegs. So auch jetzt, da beruflich in Krems an der Donau-Uni. Mein Camping ist eigentlich Businesscamping. Und trotzdem hat es mein Leben verändert.

Viele Monate fragte ich mich, was denn das Camping so extrem geil – ja, es ist geil! – macht. Mein Arbeitgeber hielt die Antwort dafür mit seinem Slogan bereit: “Luxus der Freiheit”.

Ich gehe aber weiter, und meine, beim Camping passiert das total Vertraute. Nicht der Luxus, nicht das etwas Andere, nicht das Besondere. Nein, Camping ist Vertrautes mit in den Urlaub und auf Reisen zu nehmen. Und das mag durchaus ein Stück Luxus sein.

Vertrautes mitnehmen

Vertraut sind mir mein eigenes Bett, meine Bettwäsche, meine Pölster und Decken. Vertraut ist mir mein Essen, meine Art zu frühstücken oder auch nur meine Toilette, mein Bad. Will ich wirklich in fremden Betten schlafen? Nein! Ich will meine Sachen dabei haben. Denn in ihnen fühle ich mich wohl.

Und genau das ermöglicht mir das Camping. Ich habe mein Haus dabei – egal, ob es sich um ein Zelt, einen Campingbus oder ein großes Wohnmobil handelt. Das Womo ist mein Haus auf Rädern, mein Zweitwohnsitz, den ich überall hin mitnehme. Denn im Wohnmobil befindet sich genau dieses Vertraute: Bett, Pölster, Toilette, Bad, Essen wie gewohnt.

Das Vertraute des Alltags ist die Freiheit, die man sich mit Camping, mit Wohnmobilreisen ermöglicht. Ich empfinde es zumindest so. Und ich möchte es nicht mehr missen, schnell mal am Wochenende wegfahren zu können, ohne sich um die Unterkunft kümmern zu müssen. Beruflich unterwegs sein zu dürfen, ohne in schlechten Hotelbetten schlafen zu müssen. Und abends in meiner Kuschelhose und den Alpakasocken beim Essen zu sitzen, wie daheim eben.

Camping bedeutet, sich mit Vertrautem zu umgeben. Sich jene Dinge auf Reisen mitzunehmen, die zu einem gehören. Die einen ausmachen und zum persönlichen Lebensstil passen.

Camping verändert die Werte

Zudem hat sich mein Leben durchs Camping verändert, in den vergangenen eineinhalb Camper-Jahren. Erstens erkannte ich, was zu mir gehört, was mir gut tut. Wer campt, muss sich nämlich mit dem Wesentlichen umgeben. Für Firlefanz und unnötigen Ballast ist kein Platz im Wohnmobil. Schließlich ist die Kiste auf 3,5 Tonnen Gewicht beschränkt. Was ich mitnehme, ist eine ganz pragmatische Angelegenheit.

Zweitens begann ich das Entdecken neuer Welten zu genießen. Man kommt an einen Stellplatz, und lernt dort neue Menschen und Situationen kennen. Diese Situationen beflügeln meine Kreativität, die ich als Marketer auch benötige, suche. Und ich freue mich auf jede neue Erfahrung, weil sie mich in meinem Leben weiterbringt. Wer Neues zulässt, entwickelt sich beständig weiter.

Drittens lernte ich, dass mein Alltag gut organisiert sein muss. Und man sich trotzdem überraschen lassen darf, von dem, was auf einen wartet. An den neuen Orten, wo ich hinfahre, und von den dort lebenden Menschen. Auf die Mischung zwischen guter Selbstorganisation und Flexibilität kommt es an.

Viertens: Leben im Jetzt. Beim Camping hast du keine Zeit zum Träumen oder um Luftschlösser zu bauen. Der Alltag ist geprägt vom Sicherstellen deiner Selbstversorgung. Du musst dich um dich kümmern, um dein Essen, um dein Wohnmobil, um Frischwasser, um dein WC, um Landstrom, deine Hygiene (das läuft anders als daheim!) und Kleidung, und um das Gas an Bord zum Heizen. Die totale Präsenz ist gefragt.

Das bedeutet, ich kann mit dem Kopf nicht auf anderen Hochzeiten tanzen. Wenn du das Wohmobil startklar machst, dann muss jeder Handgriff sitzen. Landstrom abstecken, Kabel einrollen, Haustechnikcheck, Markise sicher einrollen, alle Staufächer und Fenster inklusive Dachluken schließen. Schließlich darf nichts herumfliegen während der Fahrt.

Zeit für sich selbst

Fünftens, ich lese wieder gerne, abends, am Stellplatz oder Campingplatz. Ich habe wieder Zeit, mich mit mir zu beschäftigen. Weil dies klärt und die Persönlichkeit stärkt. Und ich schreibe Tagebuch. Auch das stärkt meine Persönlichkeit und bringt Klarheit in meine Lebensziele.

Wann nehmen wir uns schon Zeit für uns? Wohl nicht, wenn abends der Fernseher läuft und man bei einer Vorabendserie “abschaltet”. Bin ich unterwegs, gibt es für mich TV nur via Internet. So suche ich mir gezielt aus, was ich sehen möchte und nütze die verbleibende Zeit für meine eigenen Gedanken, Texte oder Gespräche mit Menschen, die ich kennenlerne.

Lass die Natur zu dir kommen!

Sechstens: Der sprichwörtliche Sonnenuntergang. Nichts ist schöner, als abends vor dem Wohnmobil zu sitzen und sich einen Sonnenuntergang anzusehen. Oder morgens die Tür aufzumachen und die Morgensonne hereinzulassen. Während der Wintermonate blinzelt die Sonne zwar durchs Fenster ins Innere des Womos. Trotzdem ist man nah an der Natur, nah am Draußen. Dieses Gefühl ist einzigartig.

Und siebentens lernte ich den Regen wieder als das schätzen, als den ich ihn aus meiner Jugend kenne: erfrischend, prasselnd, nah. Damals ging ich gerne auf die Jagd und liebte es bei Regen draußen im Wald zu sitzen, und den Tropfen zu lauschen, die aufs Dach des Hochsitzes und die Blätter fielen. Und ich war auch damals schon mit dem Zelt und Schlafsack unterwegs, genoss den Regen im Zelt.

Genau diese Geräusche erlebe ich jetzt wieder beim Camping. Regen prasselt aufs Womo oder auf die Markise und man sitzt drunter und lauscht in den lauen Abend hinein. Auf einsamen Plätzen kommen einen Vögel oder Wildtiere besuchen. Und der Anblick, wenn morgens der Nebel an deinem Auto vorbeizieht und im Herbst oder Frühling zaghaft die Vögel in den Bäumen um dich herum singen. Es fehlen mir die Worte, diese Gefühle zu beschreiben.

Zusammenfassung

Auch jetzt schreibe ich diese Zeilen auf einem Stellplatz, bin als Businesscamperin unterwegs. Ich stehe mitten in der Natur, am Hof eines Weingutes und genieße diese Zeit für mich. Morgens blinzelt die Sonne durchs Fenster, während der Raureif im Obstgarten hängt und sich dieser vom Nebel befreit. Abends koche ich mir guten Eintopf und kuschle mich in meine Schlafhöhle im Heck des Fahrzeuges. Und ich genieße die heiße Dusche in MEINEM, VERTRAUTEN Bad.

Camping ist pures Leben, wenn es des Campings wegen getan wird. Genau solche Camper durfte ich in diesen eineinhalb Jahren kennenlernen und bin dafür unendlich dankbar. Camping, das ist Freiheit. Freiheit voll und ganz in der Gegenwart zu leben und präsent zu sein.

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4 comments for “Camping bedeutet Freiheit Im Vertrauten finden

  1. 4. November 2016 at 21:37

    Und: Gut verzurrt ist halb gecampt. #Ilovecamping

    • 4. November 2016 at 21:52

      Du sagst es, beste Angelika! #ilovecamping 🙂

  2. 5. November 2016 at 13:00

    Schöner Artikel!
    Macht Lust auf diese Art des Reisens. Irgendwann probier ichs dann aus. .

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